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Der Spaziergang (Bibliothek Suhrkamp) by Robert Walser

By Robert Walser

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An der Oberfläche herab stürzte ich in die Tiefe, die ich im Augenblick als das Gute erkannte. Was wir verstehen und lieben, versteht und liebt auch uns. Ich war nicht mehr ich selbst, sondern ein anderer, doch gerade darum erst recht wieder ich selbst. Im süßen Liebeslichte glaubte ich einsehen zu können oder fühlen zu sollen, daß der innerliche Mensch der einzige sei, der wahrhaft existiert. Mich griff der Gedanke an: »Wo wollten wir Menschen sein, wenn es keine gute, treue Erde gäbe? Was hätten wir, wenn uns dies fehlte?

So sanft und zart wie ich hat ja sehr wahrscheinlich noch nie ein Autor beständig an den Leser gedacht. So, und nun kann ich mit Palais oder Adelspalästen dienstfertig aufwarten, und zwar folgendermaßen: Ich trumpfe förmlich auf, denn mit solchem halbverfallenen Edelsitz und Patrizierhaus, altersgrauen, parkumgebenen stolzen Rittersitz und Herrenhaus, wie das ist, das jetzt hier auftaucht, kann man Staat machen, Aufsehen erregen, Neid erwecken, Bewunderung hervorrufen und Ehre einheimsen. Mancher arme, feine Literat wohnte mit Herzenslust und höchstem Vergnügen in einem Schloß oder Burg mit Hof und Einfahrt für hochherrschaftliche, wappengeschmückte Wagen.

Ihnen ist offenbar eingefallen, zu glauben, daß ich über vielerlei Einkünfte verfüge. Ich fühle mich jedoch genötigt, diesem Glauben, wie allen derartigen Vermutungen höflich aber entschieden entgegenzutreten und die nackte, schlichte Wahrheit zu sagen, die auf alle Fälle lautet, daß ich überaus frei von Reichtümern, dagegen aber vollbehangen von jeder Art Armut bin, wovon Sie gütig Vormerkung nehmen wollen. Sonntags darf ich mich auf der Straße kaum blicken lassen, weil ich kein Sonntagskleid habe.

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