German 10

Askese in der Erlebnisgesellschaft?: Eine by Uwe H. Bittlingmayer

By Uwe H. Bittlingmayer

Zentraler Gegenstand der Untersuchung ist die kultursoziologische Auseinandersetzung mit dem Konzept einer "nachhaltigen Entwicklung". Den Fokus bildet der sogenannte Verzichts- bzw. Suffizienz-Ansatz und dessen theoretische Grundlage, eine ökologische Modernisierung spätindustrieller Gesellschaften durch die Implementierung einer "Kultur des Verzichts" erreichen zu können. Aus der kultursoziologischen Perspektive Pierre Bourdieus, die durch eine Auseinandersetzung mit Gerhard Schulzes "Erlebnisgesellschaft" auf "deutsche Verhältnisse" zugeschnitten und gleichzeitig aktualisiert wird, werden am Beispiel des individuellen Mobilitätsverhaltens sozialer Akteure, insbesondere von Car-Sharern, die Grenzen dieses Ansatzes verdeutlicht. Auf diese Weise wird einerseits gezeigt, dass dem Suffizienz-Ansatz ein naives Verständnis von Kultur zugrundeliegt, andererseits, dass ein Nachhaltigkeitskonzept, das systematisch auf materielle Askese setzt, in der "Erlebnisgesellschaft" von den kulturellen Distinktionskämpfen überrollt wird. Das Fazit der Untersuchung, dass erst eine hinreichende Verfügung über Handlungsressourcen, insbesondere über kulturelles Kapital, soziale Akteure von der Pflicht zum Genuss entbindet, hat weitreichende Konsequenzen für das Konzept einer "nachhaltigen Entwicklung".

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Die hochgradig arbeitsteiligen industriellen Massengesellschaften provozieren geradezu eine Projektionsfiache, in der symbolisch "ungesattigte Bediirfnisse nach Freiheit, nach personlichem Ausdruck und nach unreglementierter, selbstverantwortlicher Eigentiitigkeit ausgelebt werden kormten. Bediirfnisse dieser Art lieBen sich (... " (Klenke 1995: 36-37) Der Psychotberapeut Gerhard Bliersbach liefert eine Liste von sieben suhjektiven Notwendigkeiten des Autofahrens, die von der Aktualisierung kindlicher Allmachtsphantasien liber den Schutz des SelbstgefiihIs bis bin zur ,,Erholung des Ich von den krankenden Einschrankungen im Alltag" (Bliersbach zit.

Vgl. a. Kagcrmeier 1997) Durch diese funktionale Trennung entsteht eine Art Zwangsmobilitat 39 die besonders auf automobilen lndividualverkehr zugeschnitten worden ist 40 38 Dabei treten bis heute geschlechtsspezifische Unterschiede zu Tage. " (BlohbaumlFelseher-Suhr 1997: 151; vgl. aueh Opaschowski 1999: 101) 39 Dazu gehort aueh das inzwischen weit verbreitete 'Mutter-Taxi', das Kinder von A naeh B bringt, wei I das Sieherheits- bzw. Unfallrisiko, dem Kinder im StraBenverkehr ausgesetzt sind, als zu hoeh eingesehlitzt wird.

82-83) Weil es ihrer Meinung nach einfacher geHinge, einen OPNV-Nutzer zurn Autofahren zu bekehren als urngekebrt, sollten, weil Geldkosten eine untergeordnete Rolle spielen, verhaltensandemde Mafinahmen insbesondere bei der Bequcmliehkeit des Offentliehen Personennahverkehrs ansetzen. Soziale Akteure - so ihr Fazit - wahlen bevorzugt das Auto, urn zur Arbeit zu gelangen, weil es bequemer und weniger zeitaufwendig ist und eventuell entstehende monetare Mehrkosten auf diese Weise aufgewogen werden.

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